Martin Schulz in Social Media: Der Schulzzug kennt keine Bremsen!?

Martin Schulz wirkt. Seit Sigmar Gabriel öffentlich gemacht hat, er wolle nicht als Kanzlerkandidat kandidieren, schnellen die Umfrageergebnisse der SPD nach oben. Momentan liegt die SPD dicht hinter der Union und auch im Netz greift ein wahrer Schulzhype um sich.

martin schulz in social media
Wahltrend von Pollytix, Stand 15.02.2017

Bereits vor seiner offiziellen Kandidatur war Martin Schulz immer wieder im Gespräch gewesen. Nicht zuletzt deswegen existiert bereits seit längerem das Subreddit r/the_schulz, in dem unzählige Memes veröffentlicht werden, die den „Gottkanzler“ Schulz mit „wohlwollender Satire“ hypen. Der #schulzzug kennt weiterhin #keinebremsen. Oder doch?

Die Umfragewerte der SPD bleiben – im Verhältnis zu den letzten Jahren – gut. Dennoch ist es jetzt wichtig, Momentum zu behalten und vor allem die Wechselwähler bis zur Wahl und darüber hinaus zu gewinnen. Ein Werkzeug, um dies zu Erreichen, sind die sozialen Netzwerke. Doch wie läuft es dort für Martin Schulz?

Facebook-Fans

Am 24. Januar 2017 wurde bekannt, dass Sigmar Gabriel zugunsten von Martin Schulz auf die Kanzlerschaft verzichtet. Am selben Tag noch brachte ihm das 1740 neue Facebook-Fans, am Tag darauf beinahe 9000 weitere. Bis zum 15. Februar konnte er über 90.000 neue Fans gewinnen. Wie man sieht, ist das ein durchaus starker Anstieg. Etwa seit dem 5. Februar flacht diese Kurve ab, nichtsdestotrotz kann Martin Schulz weiterhin täglich mehrere hundert neue Fans verbuchen. Hier setzt sich der „Schulzeffekt“ also fort, allerdings auf einem niedrigeren Niveau als in den zwei Wochen direkt nach dem Bekanntwerden seiner Kandidatur.

martin schulz in social media
Entwicklung der Facebook-Fans seit Januar 2017

Posts

Martin Schulz ist definitiv kein Politiker, für den Social-Media-Kommunikation vollkommenes Neuland ist. Dementsprechend hat er auch schon vor seiner Kanzlerkandidatur mehrere soziale Netzwerke bespielt – auch zur Europawahl 2014 griff er auf Facebook und Twitter als Kommunikationskanäle zurück. Seit dem 24. Januar 2017 kann man sehen, dass Martin Schulz nun häufiger auf Facebook postet als in den Vormonaten. Wenn der Wahlkampf erst richtig anläuft, bleibt abzuwarten, wie viele Inhalte wir auf Facebook, Twitter und anderen Netzwerken sehen werden. In den letzten sechs Wochen postete Schulz dabei insgesamt 32 Mal auf Facebook.

martin schulz in social media
Facebook-Posts seit Januar 2017

Wirft man einen Blick auf die Zeiten, zu denen Martin Schulz Inhalte veröffentlicht, dann lässt sich im Moment jedenfalls noch kein bestimmtes Muster erkennen. Seine Posts sind über den ganzen Tag verteilt und zeigen dabei eine leichte Konzentration auf den Nachmittag und frühen Abend. Hier scheint also noch Raum für eine strategischere Ausrichtung zu sein. Zwar gibt es keine Zauberformel, die einheitlich ideale Postzeiten voraussagen kann. Überwacht man diese jedoch auf der eigenen Seite und bringt sie mit den erzielten Reaktionen auf die entsprechenden Posts in Zusammenhang, können wertvolle Rückschlüsse gezogen werden. Es kann dann ein Muster erkannt werden, welche Zeiten zum Posten die meisten Interaktionen bringen.

martin schulz in social media
Zeitpunkte der Facebook-Posts seit Januar 2017

Bei der Verteilung der Inhalte zeigt die Facebook-Seite von Schulz, dass der Großteil aus Bildern und Videos besteht. Reine Textinhalte (Status) werden kaum veröffentlicht. Dies ist sehr sinnvoll, da Bildinhalte häufig mehr Interaktionen generieren als Texte oder Links, insbesondere wenn diese kein Vorschaubild aufweisen.

martin schulz in social media
Verteilung der Posttypen auf Facebook seit Januar 2017

Interaktionen

Ob am Wahlkampfstand in der Innenstadt, bei Hausbesuchen oder Diskussionen – PolitikerInnen möchten mit den Menschen in einen Dialog treten. Selbiges gilt für die Kommunikation in sozialen Netzwerken, sodass hier besonders viele Interaktionen mit den veröffentlichten Beiträgen erzielt werden sollen. Bei Facebook sind das zum einen Reaktionen, also Likes, aber auch geäußerte Stimmungen mit den Liebe-, Haha-, Traurig-, Wow- und Wut-Emojis. Weiterhin zählen alle Kommentare dazu, sowie die Anzahl, wie oft ein Post geteilt wurde. Bei Martin Schulz hat sich seit dem Bekanntwerden seiner Kandidatur ein deutlicher Anstieg der Interaktionen mit seinen Inhalten gezeigt – er ist also auf einem guten Weg. Laut einer Studie erhalten Facebook-Seiten zwischen 100.000 und einer Millionen Fans durchschnittlich 656 Interaktionen pro Post. Martin Schulz liegt im Moment stark darüber.

martin schulz in social media
Durchschnittliche Interaktionen pro Facebook-Post seit Januar 2017

Die fünf aktivsten User – im Bezug auf die Gesamtzahl ihrer Interaktionen – haben mit der Seite von Martin Schulz zwischen 128 und 86 mal interagiert. Sieht man sich die Inhalte ihrer Kommentare an, so zeigt sich, dass ihm vier der fünf aktivsten User negativ gegenüber stehen.

Werbung

Das Werbegeschäft ist für Facebook hoch profitable. Kein Wunder, denn immer mehr Unternehmen und Organisationen setzen auf bezahlte Inhalte in sozialen Netzwerken. Ziel ist dabei, die Reichweite über diejenigen, die bei der eigenen Seite „Gefällt mir“ geklickt haben, auszuweiten. Auch Martin Schulz greift auf Facebook-Werbung zurück. Drei von seinen Posts, die zwischen dem 1. Januar und dem 15. Februar 2017 veröffentlicht wurden, sind beworben worden. (Anmerkung: Diese gesponserten Posts lassen sich nur durch besondere Analyseverfahren erkennen. Das hier verwendete basiert auf maschinengestützten Lernprozessen und weist eine sechsundneunzigprozentige Genauigkeit auf.)

martin schulz in social media
Gesponserte Inhalte auf Facebook seit Januar 2017

Was nun?

Aktuell scheint sich die SPD bei knapp über 30% zu stabilisieren und die ersten positiven Effekte auf Schulz‘ Facebook-Seite (viele neue Fans, sehr hohe Zahl an Interaktionen) pendeln sich ebenfalls ein. Jetzt gilt es also, keine Schwungkraft zu verlieren und den Aufwärtstrend beizubehalten. Aktuell scheint es zum Beispiel nicht so, als würde der Kanzlerkandidat den Zeitpunkt seiner Social-Media-Posts optimieren. Hier ist also noch Raum nach oben. Während der Einsatz von vielen Bildinhalten und Videos positiv hervorzuheben ist, handelt es sich bei der Tatsache, dass diese besonders gut funktionieren, zumindest bei Insidern um absolut kein Geheimnis mehr. Nun ist es wichtig, dass die kommenden Inhalte gut performen.

Martin Schulz muss ein Kandidat sein, über den man gerne spricht. Nur so kann er garantieren, dass die Menschen weiter Interesse an ihm behalten. Sein Leitmotiv der Gerechtigkeit scheint in Zeiten, in denen sich viele BundesbürgerInnen unfair behandelt fühlen, ausreichend Wirkmacht entfalten zu können. Es kommt jedoch darauf an, wie Martin Schulz und die SPD dies kommunizieren. Sein bisher eher persönlich und emotional geprägter Stil trifft den Zeitgeist. Mit dem Einsatz passender Sprache sollte es Schulz möglich sein, sich selbst weiterhin erfolgreich in seiner Rolle als Gerechtigkeitspolitiker zu präsentieren, Wählerstimmen zu gewinnen und diese zu binden. Wenn er diesen Ansatz mit einer intelligenten Social-Media-Strategie verbindet, dürften seine Chancen auf eine Kanzlerschaft weiter wachsen. Auf geht’s, Herr Schulz, zeigen Sie uns, dass eine gerechte und solidarische Gesellschaft wieder angesagt ist!

Hat dir dieser Beitrag gefallen? Dann folge @wasmitpolitik auf Twitter oder auf Facebook.

Die 3. beliebtesten Posts von Martin Schulz (01.01.-15.02.2017)

Verpasse keine wertvollen Updates zum Thema Social Media!

* Pflichtfeld



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.