Rot-Rot-Grün 2017: Netzbasierte Graswurzelbewegung für den politischen Wechsel

Karneval hat seit jeher eine politische Dimension. Für Torben Schröder wurde der Karneval im Jahr 2015 besonders politisch. Als der konservative Bürgermeister der Stadt Siegburg, aus der Torben kommt, die beliebte Rosenmontagsparty am örtlichen Marktplatz aus finanziellen Gründen absagte, politisierte er sich in besonderem Maße genauso wie viele andere junge Leute. Seit 2016 gibt es wieder eine solche Fete, doch Torben, der mittlerweile in Leipzig studiert, ist politisch aktiv geblieben. Mehr als ein Jahr ist er bereits der Kopf hinter der Initiative Rot-Rot-Grün 2017, die auf Facebook Ende September 2016 bereits über 12.700 Fans zählte.

Torben ist Mitglied der SPD. Die Idee für Rot-Rot-Grün 2017 entstand, als einige Parteikameraden eine Veranstaltungsreihe zu einer möglichen linken Regierung durchgeführt haben. Inspiriert durch die Aktion hat Torben recht spontan an die Chance gedacht, nicht nur einige interessierte Menschen vor Ort zu erreichen, sondern tausende Menschen online für die Idee einer linken Mehrheit ansprechen zu können. Daraufhin hat er, so sagt er selbst, einfach losgelegt und die netzbasierte Initiative ins Leben gerufen.

Plädoyer für eine solidarische und faire Gesellschaft

Politisch ist Torben davon überzeugt, dass die Sozialdemokratie auch heute die richtigen Antworten auf die Herausforderungen dieses Jahrhunderts bieten könne. Während es aktuell vielen Menschen materiell zunächst besser gehe als früher, so würde der Schein dieses vermeintlichen Wohlstands jedoch trügen. Insbesondere sieht er Defizite in Sachen Leistungsgerechtigkeit. Während die Fleißigen nicht diejenigen seien, die ihr Geld für sich arbeiten lassen, seien es die Menschen, die täglich zur Arbeit gehen, aber am Ende des Monats dennoch immer wieder in den Dispokredit rutschen.

Auch die soziale Sicherheit in Deutschland sieht er in Gefahr. Während die Gesellschaft zunehmend auf Wettbewerb und Eigenverantwortung getrimmt werde, drohe der Sozialstaat unter die Räder zu kommen. Doch gerade die Gewissheit abgesichert zu sein, findet Torben wichtig. Nur auf dieser Grundlage würden Menschen Familien gründen und unbeschwert leben können. „Nur ein handlungsfähiger Staat kann gute öffentliche Leistungen anbieten, den Menschen Sicherheit geben und für soziale Gerechtigkeit und sozialen Zusammenhalt sorgen. Mit der CDU und CSU ist die Schaffung eines solchen Staates jedoch nicht möglich.“, so Torben. Da SPD, Linke und Grüne die Schwächung des Sozialstaates ähnlich sähen, ist er für eine rot-rot-grüne Koalition. Statt sich gegenseitig aneinander abzuarbeiten, müssten die drei Parteien als gemeinsames Team auf das richtige Tor schießen.

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Mit dem Hashtag #linkezukunft wirbt die Initiative auf Twitter für ihre Ziele.

In Anbetracht aktueller Umfragen seien die Menschen bereits offener für Rot-Rot-Grün als noch vor einigen Jahren. Torben glaubt, dass auch die SPD mittlerweile erkannt hat, dass ein solches Bündnis mittelfristig ihre einzige Machtoption sein wird. Bei Linken und Grünen wüssten ebenso immer mehr PolitikerInnen, dass es WählerInnen bindet, wenn ihre berechtigten Forderungen eine realistische Umsetzungsperspektive erhielten. Den endgültigen Durchbruch könne es aber nur geben, wenn SPD, Linke und Grüne glaubhaft versichern, dass ein rot-rot-grünes Bündnis für eine klare Politik stehe, die durch eine stabile und handlungsfähige Regierung getragen wird.

Rot-Rot-Grün als Rezept gegen die AfD

Eine solche Politik wäre auch die einzige Chance, der AFD effektiv zu begegnen. „Im Umgang mit der rechtspopulistischen Partei müssen SPD, Linke und Grüne noch besser klar machen, dass die AfD eine zutiefst unsoziale Partei ist.“, so Torben. Diese hätte zwar erkannt, dass sich aus sozialem Protest, Frustration und Angst viele Stimmen speisen ließen, was sie anbiete, sei jedoch grundfalsch. Die Parteien sollten das Phänomen des Rechtspopulismus dabei weniger holzschnittartig analysieren, als dies bisher oft geschehe. In der AfD sammele sich ein sehr heterogenes Klientel. In diesem Sammelbecken gebe es nicht das eine Rezept, mit dem alle WählerInnen zurückgewonnen werden könnten. Eines sei jedoch sicher: Die AfD arbeite ausschließlich mit Problematisierungen und Angstszenarien. Lösungen seien bei ihr kaum zu finden. Ein starkes linkes Bündnis müsse sich klar von rechten Parolen abgrenzen und den Menschen ihre Ängste nehmen, um auch bei der aktuellen AfD-Wählerschaft erfolgreich zu sein. Torben findet, dass die Parteien daran konsequent und glaubhaft ansetzen sollten. Nur durch konstant gute politische Arbeit seien die Menschen dauerhaft zurückzugewinnen.

Reichweite wird durch gute Inhalte erzielt

Sieht man sich die Website oder die Facebook-Seite von Rot-Rot-Grün 2017 an, so könnte man schnell den Eindruck gewinnen, es müsse ein professionelles Team hinter den Inhalten stecken. Als Graswurzelbewegung hat die Initiative jedoch kein üppiges Budget, weshalb Torben den Löwenanteil der Arbeit stemmt. Die Social-Media-Inhalte werden fast ausschließlich von ihm selbst erstellt. Die Strategie der Initiative besteht darin, ihre Reichweite durch geschickt platzierte Beiträge zu erhöhen, um so weitere Unterstützung und Aufmerksamkeit zu schaffen. Bisher konnte die Zahl der Follower rasant erhöht und die Debatte für Rot-Rot-Grün vorangetrieben werden. Derzeit hat Rot-Rot-Grün 2017 insgesamt mehr als 15000 Fans auf Facebook und Twitter. Dazu kommen mehrere hundert Mitzeichnungen auf der Website.

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Rot-Rot-Grün 2017 auf Facebook

Völlig allein bestreitet Torben seinen Einsatz für eine linke Mehrheit jedoch nicht. Neben seiner eigenen Arbeitskraft erhält er Hilfe von den Leipziger Jusos, die sich das Engagement für Rot-Rot-Grün ganz oben auf die Fahnen geschrieben haben. Um den Betrieb der Onlineauftritte fortführen zu können, helfen aktuell hauptsächlich Spenden und auch einige persönliche Beiträge um die laufenden Kosten für die Webseite und einige Druckerzeugnisse zu decken. Als wichtigstes und bisher größtes Kapital sieht Torben allerdings die Unterstützung der Follower und MitzeichnerInnen der Initiative. Diese können mit Namensbeiträgen auch auf der Webseite persönlich zu Wort kommen.

Gregor Gysi unterstützt Rot-Rot-Grün 2017

Während einige Parlamentarier bereits an der Vorbereitung eines möglichen rot-rot-grünen Bündnisses arbeiten, sind die drei Parteien jedoch in ihrer Haltung zur linken Koalitionsoption insgesamt weitestgehend gespalten. Die Initiative Rot-Rot-Grün 2017 möchte der SPD, der Linken und den Grüne bei der Realisierung einer linken Mehrheit helfen. Dabei bestehen schon erste Kontakte zu den Parteien, die stetig ausgebaut werden. Zum einen wirkt die Initiative insbesondere in die SPD hinein, es werden aber auch immer mehr Abgeordnete von selbst auf die Kampagne aufmerksam, sodass deren Inhalte mittlerweile von namhaften MandatsträgerInnen weiterverbreitet werden.

Persönlich ist Rot-Rot-Grün 2017 beispielsweise mit dem thüringischen Bundestagsabgeordneten Frank Tempel in Kontakt getreten. Mit Gregor Gysi wurde der erste prominente Unterstützer gewonnen. Als er zufällig mit Torben in den selben Fahrstuhl im Bundestag stieg, hat Torben ihn spontan gefragt, ob er in einem Namensbeitrag seine Unterstützung bekunden würde. Das hat er dann auch gemacht. In Zukunft möchte er den persönlichen Kontakt noch besser pflegen und weitere Abgeordnete für die gemeinsame Sache gewinnen.

Die Intiative soll bis zur Bundestagswahl wachsen

Bis zur kommenden Bundestagswahl soll die Initiative ihre UnterstützerInnenbasis noch vergrößern. „Der erfolgreiche Auftritt im Netz soll dabei weiterhin das Zugpferd bleiben, aber auch auf den Straßen möchten wir besser wahrnehmbar werden. Insbesondere die persönliche Überzeugungsarbeit ist dabei wichtig, denn nur so können Vorbehalte gegen das Dreierbündnis aus dem Weg geräumt werden.“, findet Torben. Im Hinblick auf das Wahljahr 2017 steht auch die Organisation von Veranstaltungen im Raum, was jedoch mit einem finanziellem Aufwand verbunden ist. Sollten bis dahin weitere finanzstarke UnterstützerInnen und Spendenquellen gefunden werden, dann soll eine professionalisierte Werbekampagne die Reichweite der Initiative noch einmal vergrößern.

Wer Rot-Rot-Grün 2017 selber unterstützen möchte, kann dies auf https://www.rot2gruen.de/, Facebook oder Twitter tun.

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